Open Homes – ein erster Jahresbericht

Es ist Weltflüchtlingstag. Mit Open Homes setzen wir uns für geflüchtete Menschen ein – und darauf sind wir stolz. Heute berichten wir, wie unser erstes Jahr gelaufen ist.

Categories: World Refugee Day — Das Open Homes-Team

Als letztes Jahr die Reisesperre für die USA ausgerufen wurde, konnten und wollten wir nicht untätig zusehen. Und wir sind damit nicht allein. Menschen besannen sich in diesen Zeiten auf ihre eigene Großzügigkeit. “Wie können wir helfen?”, fragten viele. Open Homes war unsere Antwort.

Wir sind heute mehr denn je davon überzeugt, dass jeder, der helfen möchte, das auch tun kann – mit einfachen Mitteln. Es ist wichtig, diesem Impuls tatsächlich zu folgen, und ihn nicht im Sand verlaufen zu lassen.

Drei Dinge haben wir im Laufe des vergangenen Jahres gelernt, und als Konsequenz machen wir drei Zusagen.

Aber eher wir darauf näher eingehen, ein wenig Geschichtliches zu Open Homes.

Open Homes – wie alles begann

Dass Airbnb auch eine Plattform dafür bieten könnte, Unterkünfte an Notleidende zu vermitteln, dieser Gedanke stammte ursprünglich von einer Gastgeberin aus Brooklyn. Als Hurrikan Sandy über die USA hinwegfegte, wollte sie ihr Zuhause Menschen anbieten, die ihr Dach über dem Kopf verloren hatten. Wir bei Airbnb kümmerten uns um die technische Seite. Als daraufhin über 1000 Freiwillige ihren Wohnraum zur Verfügung stellten, wurde uns bewusst: Das Modell hat Zukunft. Airbnb war seither bei über 250 Katastrophen im Einsatz, und unsere Gastgeber haben unzähligen geflohenen oder evakuierten Menschen und Katastrophenhelfern ihr Zuhause geöffnet.

Dann kam der nächste Schritt: von der Katastrophenhilfe zur Arbeit mit Geflohenen. Uns wurde bewusst, dass unsere Plattform nicht nur Menschen zugute kommen kann, die bei einer Naturkatastrophe in der Region obdachlos werden. Sein Zuhause verlieren – das betrifft weltweit Millionen Menschen. Sie verlassen ihre Heimat, weil Krieg oder politische Unruhen herrschen. Es sind Menschen, die unsere Nachbarn werden könnten. Wenn Airbnb sich wirklich für eine Welt einsetzen will, wo jeder überall zuhause sein kann, dann müssen wir gerade jenen zur Seite stehen, die unsere Hilfe am meisten benötigen.

Das ist die Idee von Open Homes. Über verschiedene Programme haben unsere Gastgeber bereits mehr als 11 000 Menschen aus über 52 verschiedenen Ländern willkommen geheißen. Zum Beispiel Zak, der aus dem Jemen nach Denver geflohen ist und dort, dank seiner Gastgeberin Susan, nicht nur ein Dach über dem Kopf gefunden hat, sondern auch neue Freunde und Leute, die ihn unterstützen.

Was wir gelernt haben, Teil 1: Ohne Partner geht es nicht.

Die Flüchtlingskrise ist ein extrem politisiertes Thema. Jede Regierung begegnet ihr mit unterschiedlichen, komplexen, sich immer wieder verändernden Lösungsansätzen. Für geflohene Menschen bedeutet das: Wohin sie auch kommen, es erwarten sie womöglich ganz unterschiedliche Herausforderungen. Es ist bereits überwältigend genug, sein Zuhause hinter sich zu lassen – und dann müssen im neuen Land eine unbekannte Gesetzeslage und ganz neue kulturelle Normen gemeistert werden.

Zum Glück gibt es Organisationen, die Geflüchteten seit Jahrzehnten dabei helfen, genau diese Aufgabe zu bewältigen. Sie treten sowohl regional als auch international für sie ein, machen ihren Einfluss geltend und helfen in den verschiedensten Lebenslagen, sei es, um Schulen für Flüchtlingskinder oder Arbeit für deren Eltern zu finden. Die Arbeit solcher Organisationen bietet ein starkes Fundament für Firmen wie Airbnb.

Wir haben uns im vergangenen Jahr darauf konzentriert, Partnerschaften mit regionalen wie internationalen Organisationen aufzubauen, die wissen, was getan werden kann. Von ihnen lernen wir, und mit ihnen arbeiten wir. Wir wollen, dass Open Homes einen tatsächlichen Bedarf deckt. Unsere Partneragenturen nutzen Open Homes bereits, um Unterkünfte für ihre Klienten zu finden. Darunter sind das International Rescue Committee (IRC), SINGA und Solidarity Now.

Eine der für uns wertvollsten Lektionen: Mit Menschen, die gerade besonders verletzbar sind, muss man manchmal anders umgehen. Das haben wir von unseren Partnerorganisationen gelernt. Wir wissen heute, dass es selbst dem Wohlmeinendsten passieren kann, jemanden unabsichtlich in eine für ihn unangenehme Situation zu bringen. Unser Team hat deshalb spezielles Training zum Thema Einfühlungsvermögen erhalten, und stellt ähnliche Materialien allen Gastgebern von Open Homes zur Verfügung.

Was wir gelernt haben, Teil 2: Wir müssen mit den Menschen arbeiten, nicht für sie.

Unser Team ist vergangenes Jahr mehrmals nach Athen gereist, um gemeinnützige Organisationen zu treffen und mit Gastgebern zu sprechen, die sich für Open Homes interessieren. Wir haben Sozialarbeiter, Freiwillige und Geflohene kennengelernt. Wir haben mit Menschen geredet, die bereits über „Home for Hope“, eine Aktion von Solidarity Now, Menschen bei sich aufgenommen haben. Eine Erfahrung, die uns demütig gemacht hat. Wir sind voller Ehrfurcht sowohl vor den Anstrengungen der Hilfsorganisationen, als auch vor dem Mut der Flüchtlinge.

Nach den Athen-Reisen stand für uns fest, dass jeder aus unserem Team jedes Quartal mindestens einmal „rauskommen“ sollte, vor Ort sein sollte. Wenn wir ein Hilfsprogramm ins Leben rufen, dann brauchen wir dazu die Menschen, für die es gedacht sein soll. Sie geben uns nicht nur Feedback, sie inspirieren uns auch. Wir lernen von ihnen. Ein wenig davon möchten wir euch weitergeben. Einen Anfang macht dabei dieser Blog.

Unser großes Fazit, mit dem wir aus Athen zurückkommen: Jede Stadt hat ihre ganz eigenen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten. Deshalb möchten wir ein bunt gemischtes Team aufbauen, dessen Mitglieder aus den Gruppen stammen, für die wir uns einsetzen – denn sie wissen, wo der eigentliche Hund begraben liegt. Nur so gelingt eine globale Initiative, die auf Empathie gründet.

Was wir gelernt haben, Teil 3: Geschichte schreiben nicht nur die Großen.

Wer aus seiner Heimat flieht, sieht sich oft mit Vorurteilen konfrontiert. Unüberlegte Phrasendrescherei und häufige Fehlannahmen sind mögliche Ursachen. Selbst der Begriff „Flüchtling“ wird oft falsch verwendet oder ist mit negativen Assoziationen belegt. Da wundert es wenig, wenn manch einer zögert, seine Türen zu öffnen.

Das ist nicht die Schuld von Einzelnen. Wir haben erst nach langen Gesprächen mit Regierungs- und Nonprofit-Organisationen verstanden, welches Ausmaß die Flüchtlingskrise tatsächlich annimmt. Bewusst geworden ist uns auch, dass Fehlannahmen sich in unbegründete Ängste wandeln können.

Als Flüchtling gilt ausschließlich jemand, der diesen Status im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention innehat. Das bedeutet: Er muss den hinlänglichen Beweis dafür erbracht haben, dass er nicht nach Hause zurückkehren kann, weil ihm dort Verfolgung droht. Ein Flüchtling ist jemand, der dafür gekämpft hat, als solcher anerkannt zu werden. Allein dieses Wissen kann Bedenken nehmen und Mitgefühl ermöglichen.

Uns inspiriert zum Beispiel die Arbeit von Refugees Deeply. Wir sind heute entschlossener denn je, im Kleinen Geschichte zu schreiben. Deshalb dokumentieren wir Einzelschicksale – also Geschichten von Menschen, die die Krise hautnah miterleben. Wir hoffen, dass unsere Community sie teilt und weitergibt. Vielleicht kann es gelingen, das Stigma „Flüchtling“ nach und nach zu demontieren. Es ist zumindest ein Anfang.

Was die Zukunft bringt

Unser erster Meilenstein lautet: bis 2022 über 100 000 Menschen in Not ein Dach über dem Kopf verschafft zu haben. Unsere Gastgeber sind auf dem besten Weg dahin. Und danach? Danach geht es weiter. Menschen, die fliehen mussten, brauchen einen Ort, an dem sie sich sicher, willkommen und angenommen fühlen. Daran wird sich nichts ändern.

Um unser Ziel zu erreichen, sind schöne Zahlen allein nicht genug. Wir möchten Leute zusammenbringen, die wissen, dass jeder Mensch einen sicheren Ort, ein sicheres Zuhause braucht. Leute, die ohne zu zögern ihre Türen öffnen, wenn jemand seine Heimat verliert. Leute, die daran glauben, dass Freundlichkeit sie nichts kostet. Wir sind dankbar für die Organisationen und Gastgeber, die mit uns daran arbeiten, daraus Realität zu machen.

Wenn du dich unserer Bewegung anschließen möchtest – wir hoffen es! – dann denk darüber nach, ob auch du dein Zuhause öffnen könntest.

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